„Fachliche Weiterbildung ist das A und O“


Interview mit Hugo Philipp

Ende November richtete der Verband für Fassadentechnik (VFT) bereits zum 20. Mal erfolgreich sein Jahresseminar aus (siehe Bericht Seite 40). Am Rande der Veranstaltung sprach die Redaktion der FASSADE mit Hugo Philipp, dem langjährigen 1. Vorsitzenden des VFT, über die Aufgaben des VFT, die zukünftigen Herausforderungen in der Fassadenplanung und die Zusammenarbeit mit dem Verband Unabhängiger Fassadenberater (UBF).

Wie ist der VFT seinerzeit entstanden?

Als sich der VFT 1992 als erster Fachverband in Offenbach gegründet hat, hatten die Gründerväter vor allem ein Anliegen: Es sollte einen Fachverband geben, der die Interessen der damals schon existierenden, jedoch noch unorganisierten Gruppe der Fassadenplaner vertritt. Damit das nicht nur eine Lobbyarbeit wird, war uns die kontinuierliche Fortbildung der eigenen Mitglieder von Beginn an ein wichtiges Ziel. Herauszuheben ist hier vor allem unser Jahresseminar, das wir seit der Gründung jährlich zu aktuellen Fachthemen der Fassadenbranche veranstalten. Es wird von der gesamten Fassadenbranche angenommen. Kurz: Die Idee des VFT hat gefruchtet und bewährt sich bis heute. In 2012 haben wir 20-Jähriges Verbands-Jubiläum gefeiert.

Was sind die Kernaufgaben des Verbands?

Schon die Gründungsmitglieder von damals waren mit den Leistungsbildern der HOAI § 33 1 bis 8 – also der Projektierung – bzw. mit der Technischen Objektbearbeitung zur Gebäudehülle befasst. Diese zwei Leistungsbereiche gibt es bis heute beim VFT. Außerdem arbeiten einige VFT-Mitglieder im Sachverständigenwesen, in der Energieberatung sowie als Lehrbeauftragte an Hochschulen für die Fassadentechnik.

Warum sollte ein Bauherr, Generalunternehmer oder Architekt ein VFT-Mitglied einschalten?

Mit Beauftragung eines VFT-Mitglieds geht der Auftraggeber schon mal in die richtige Richtung. Er sucht sich damit einen gut ausgebildeten und seriös arbeitenden Fachmann für die Gebäudehülle. Gerade vor dem Hintergrund, dass die Aufgaben in der Architektur immer komplexer und die Details immer anspruchs

voller werden, sind unsere Mitglieder geradezu prädestiniert dazu, einen Bauherrn, Generalplaner, Architekten oder auch Metallbauer kompetent zu beraten und fassadentechnisch zu unterstützen. Wir haben es in unserem Seminar zum Beispiel durch den interessanten Vortrag unseres Mitglieds Büro Priedemann gesehen und gehört. Je nach Bedarf können unsere Mitglieder zur Projektierung – also nach HOAI bzw. AHO Heft Nr. 28 – bzw. zur technischen Objektbearbeitung für Metallbauer und Verarbeiter beauftragt werden. Das gilt auch für die technische Objektbearbeitung, die der Metallbauer immer braucht, um eine fachlich hochwertige Planung im Sinne des AHO Hefts 28 fortzusetzen.

Es gibt ja mit dem UBF einen weiteren Verband im Fassadenbereich. Wo sind die Schnittmengen bzw. wie ergänzen sich die Angebote der Verbände?

Wir haben in den letzten Jahren eine enge Zusammenarbeit mit dem UBF aufgebaut. Die Chemie unter uns stimmt und wir tauschen uns kontinuierlich aus. Die Schnittmenge unserer Arbeit liegt vor allem im Bereich der Projektierung nach HOAI bzw. AHO Heft Nr. 28 – Fachingenieurleistungen für die Fassadentechnik. Auch im Bereich des Sachverständigenwesens kooperieren wir zukunftsorientiert. Außerdem gibt es eine Zusammenarbeit im Allgemeinen in verschiedenen Arbeitsgruppen. Wir sind also auf einem guten gemeinsamen Weg.

Im Juli 2013 ist die neue HOAI in Kraft getreten. Was bedeutet diese für die Fassadenplanung?

Das Wichtigste ist: Wir müssen erkennen, dass die neue HOAI 2013 für VFT-Mitglieder, die in der Fassaden-Projektierung arbeiten, gültiges und für alle bindendes Preisrecht ist. Das hat der Rechtsanwalt Dr. Koch bei seinem Vortrag bei unserem Seminar ja klar deutlich gemacht. Das Preisgefüge hat sich teils deutlich verändert – zum Beispiel können nun besondere Leistungen nach AHO Nr. 28 frei vereinbart werden. Das sind aber nur zwei der Änderungen. Fest steht: Wir Fassadenplaner müssen uns intensiv mit der neuen HOAI auseinandersetzen.

Lassen Sie uns in die Zukunft blicken: Was bedeuten die heute immer komplexeren Fassadenkonstruktionen für die Arbeit des Fassadenplaners?

Die Planungsleistungen werden immer schwieriger, komplexer und umfangreicher – nicht zuletzt durch ständig höhere Ansprü- che aus Normen, Richtlinien sowie die aus der Energiewende resultierenden Anforderungen. Daher bedarf es einer sehr guten Grundausbildung im Fassadenbau. Diese Ausbildung muss fundierte theoretische, schulische Kenntnisse mit einer Portion praktischer Erfahrung verbinden. Und nicht nur die Ausbildung, auch die Weiterbildung wird immer wichtiger – sie ist das A und O. Aus meiner Sicht sind mehrere fachbezogene Fortbildungsmaß- nahmen pro Jahr unerlässlich. Nur mit diesem Rüstzeug sind komplexe Fassadenkonstruktionen zu planen und letzten Endes fachlich kompetent zu realisieren.

Vielen Dank für das interessante Gespräch.

Über den VFT

Der 1992 gegründete VFT – Verband für Fassadentechnik e.V. mit Sitz in Frankfurt am Main ist ein Zusammenschluss freier, unabhängiger Berater, Techniker, Ingenieure und Konstrukteure im Gewerk Metallbau – Fassadentechnik der Gebäudehülle. Einige der Mitglieder arbeiten im Bereich der Fassaden-Projektierung bzw. Fachingenieurleistungen für die Fassadentechnik (HOAI § 33 1 bis 8), andere VFT-Mitglieder haben sich auf die Technische Objektbearbeitung bzw. Planung, Fertigungstechnik etc. spezialisiert.

Quelle: Fassade 06 / 2013

Interview mit Hugo Philipp zur Fachlichen Weiterbildung