VFT-Seminar 2013: Frisch, nah dran und gut besucht


Gibt es eine Alternative zum Herbstseminar des Verbandes für Fassadentechnik (VFT), wenn es um die Technik der Fassade geht? Seit nunmehr 20 Jahren präsentierte sich die ‚Institution‘ unter den Veranstaltungen frisch, gut besucht und nah dran am Ereignishorizont der Branche

Hugo Philipp und seine Vorstandskollegen haben sich beim Konzept für das Seminar wieder den Schwarzbrotthemen des Planer Alltags zugewendet. „Fassadentechnik in der Praxis“ war konsequenterweise Titel und Programm der zwanzigsten Veranstaltung. Bei dieser Praxisorientierung soll es auch 2014 bleiben: Eine Entwicklung, die in der Branche durch steigende Teilnehmerzahlen honoriert wird.

HOAI und BIM

Das ging auch gleich gut los. Das Reizthema „Honorar für Fassadentechnik“ hatte sich der „Hausanwalt“ des VFT, Dr. Rainer Koch aus Wiesbaden vorgenommen. Anlass für seinen Vortrag war natürlich die novellierte HOAI, die zum 17. Juli 2013 in Kraft getreten ist. Glücklich, wer ohne Hilfe eines Rechtsanwaltes in dem Dickicht aus HOAI, dem vom UBF vorgelegten AHO Heft Nr. 28 und dem einschlä- gigen Paragraphen 632 des Bürgerlichen Gesetzbuches sein Honorar bekommt. Wichtig, so eine der Schlussfolgerungen des Referenten, ist die kurze, schriftliche Vereinbarung zu den Leistungsinhalten und zur Honorargrundlage. Lars Anders, Geschäftsführer beim VFT-Mitglied Priedemann Fassadenberatung, Berlin hielt im Anschluss die technische Keynote-Speech. Sein Thema „Parametrische Planung an Projektbeispielen“ machte unter anderem vier Dinge deutlich. Es zeigte, wie vielfältig die Anforderungen an die Fassadenplanung je nach Projekt und Vereinbarung mit dem Auftraggeber sein können. Sein Vortrag zeigte darüber hinaus, dass es für diese Segmente der Gebäudeplanung keine durchgängige Softwarelösung gibt und folglich viel Zeit und Kosten für den Datentransfer von einem Programm zum anderen und zu Planungsund Ausführungsschnittstellen einzuplanen sind. Der Vortrag zeigte darüber hinaus, wie international das Büro Priedemann inzwischen aufgestellt ist und dass es der internationalen, meist angelsächsischen Konkurrenz auf Augenhöhe begegnet.

Auch das Thema Building Information Modeling (BIM), zu Deutsch also Gebäudedatenmodellierung, streifte Lars Anders. Wünschenswert wäre es wohl schon, das für die komplette Planung und komplette Ausführung digital zugängliche Gebäudemodell. Aber auch dem auf vielen Baustellen beheimatete Referenten ist eine BIM-basierte Planung noch nicht untergekommen.

Dr.-Ing. Pieter Janßen referierte spannend und kompetent, aber vermutlich leider zum letzten Mal zum Thema „Konstruktive Anschlüsse im Fassadenbau“. Bemerkenswert auch der Vortrag „Das Element Glas und die Bauphysik“ von Prof. Dr. Franz Feldmeier, der die Neuerungen den EnEV 2013 für diesen Bereich vorstellte. Auch die Vorträge von Hans-H. Zimmermann, Sachverständiger und Vorstand im zweiten Fassadenplaner-Verband UBF bilden inzwischen einen Schwerpunkt im Herbstseminar. Das Thema „Umgang mit Bauschäden im Metallbau aus der Sicht eines Sachverständigen“ sorgte kurz vor Ende der Veranstaltung für ein vollbesetztes Plenum. Gut dass das VFT-Herbstseminar auf diese Weise dazu beiträgt, die Kräfte der Branche zu bündeln. Neben den weiteren Themen und Vorträgen trägt auch die gemeinsame Abendveranstaltung zum WohlfühlfaktorVFT bei. Zum Zwanzigsten spendierte der Verband spontan die Getränke zum Abendessen – eine freundschaftliche und gastfreundliche Geste an die Berufskollegen, die bei vergleichbaren Veranstaltungen nicht vorkommt. Und zur Eingangsfrage dieses Artikels: Nein, aber man kann noch Kür einschieben.

Martin Jung

Quelle: fassadebtechnik 06 / 2013

Seminarbericht 2013